
Nach der erfolgreichen Friedenskonferenz Einstein weiterdenken im Einsteinjahr 2005 veranstalteten die Deutsche Stiftung Friedensforschung und das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung gemeinsam mit weiteren Partnern am 29. und 30. September in Berlin die Tagung Informatik und Rüstung.
Die Informatik hat sowohl im Einsatz für militärische Zwecke als auch im Kontext zivil genutzter Sicherheits- und Überwachungstechnologien erheblich an Bedeutung gewonnen. Anlässlich des Informatikjahres sollten im Rahmen der Veranstaltung daher sicherheitspolitische Folgen des militärischen Einsatzes von Informationstechnologien ebenso diskutiert werden wie die Perspektiven und Risiken informationstechnischer Entwicklungen für das Zivilleben.
Konrad Zuse, Alan Turing, John von Neumann: Mit diesen Namen ist historisch die Entwicklung moderner Rechenmaschinen verbunden. Computer und Informatik entstehen in Zeiten des Krieges. Ihre Entwicklung ist eng verwoben mit militärischen Interessen.
Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts begann mit der Entwicklung der Grundlagen für Internet und kleine Rechenmaschinen, die jedenfalls teilweise Ablösung der Informatik von ihren militärischen Bindungen. Der technologische und ökonomische Schub im Kontext der massenhaften wirtschaftlichen und privaten Nutzung von elektronischer Datenverarbeitung durch PC und Internet bildete zugleich einen Ausgangspunkt für das neuartige sicherheitspolitische Gewicht der Informationstechnologie wie auch für zivil genutzte Überwachungstechnologien.
Militärische Einsatzzwecke haben die Entwicklung unter anderem von Sensoren und Datenanalyse vorangetrieben. Automatisierte Gesichtserkennung, Satellitennavigation, umfassende Kommunikationsüberwachung und Personenidentifikation etwa durch Chipimplantate sind Technologien, die vielfach zu militärischen Zwecken entwickelt oder dort in der Praxis verfeinert wurden. Ihre Anwendung im Zivilleben jedoch bedeutet nicht selten, dass Grundrechte eingeschränkt werden. Auf der Tagung wurden sicherheitspolitische Folgen des militärischen Einsatzes von Informationstechnik ebenso erörtert wie die Gefahren informationstechnischer Entwicklungen für das Zivilleben und die Möglichkeiten der Weiterentwicklung demokratischer Normen und Institutionen zur Stärkung des verantwortungsvollen Handelns.