
“Light Time-Space Modulator” Installation von Mike Kelley (2003) © Florian Holzherr
Die Informatik ist am Anfang des 21. Jahrhunderts bereits tief in die zeitgenössische Kunst und Kultur eingedrungen. Seit etwa 1960 wird der Computer bei der Erzeugung oder Bearbeitung von Kunstwerken verwendet. In den Anfangsjahren waren es oft Computerpioniere, die die Möglichkeiten des Computers zur Erschaffung moderner Kunst zu testen begannen. Danach wurden Computerprogramme zum Zeichnen benutzt, weil es auf diese Weise erstmals möglich wurde, die systematische Wiederholung eines Grundmusters perfekt auszuführen. Heutzutage nutzen viele Künstler in der Malerei die Computerkunst oder lassen sich durch die neue digitale Ästhetik inspirieren.
Auch in der Architektur spielt die Informatik eine immer entscheidendere Rolle. Dank Informatik gibt es Architektur-Software, mit deren Hilfe dreidimensionale Bilder und Modelle konstruiert und durchgerechnet werden können. Es wird kaum noch ein Gebäude gebaut, das nicht vorher im Computer gezeichnet, dreidimensional ausgearbeitet und interaktiv ausprobiert wird. Ziel der Informatik ist es dabei, Systeme zu schaffen, die den Planungsprozess unterstützen. Derzeit versuchen Forscher, Kriterien in die Software zu integrieren, die bereits im Entwurfsstadium zur Lösung eines Problems führen. So werden jetzt viele ästhetische und praktische Entscheidungen, die während der Entwicklung eines Gebäudes oder einer Wohnsiedlung anstehen, vorher am Computer getroffen.
Auch im Theater werden zahlreiche technische Hilfsmittel eingesetzt, die ohne Informatik nicht denkbar wären. Moderne Inszenierungen verlangen teils so komplexe Steuerungen. Nur dank Informatik wird ein technisch perfekter Ablauf von Licht, Musik und Bühnentechnik ermöglicht. Die eingesetzte Software muss es dabei erlauben oder selbst in der Lage sein, auf Improvisationen mit schnellen Entscheidungen zu reagieren. So sind interaktive Inszenierungen möglich, bei denen der Computer die Grenzen zwischen Künstler und Zuschauer auflöst, Bewegungen oder Geräusche vom Publikum in Echtzeit analysiert, verzerrt und anschließend auf der Bühne wiedergibt. Für die größte Kultur-Revolution sorgt die Informatik derzeit in Bibliotheken.
In den Regalen, Rokokosälen und staubigen Kartonschachteln der Archive findet ein Wandel statt, der seit der Erfindung des Buchdruckes nicht seinesgleichen hatte. Bücher, Handschriften, Karten, Atlanten, Reliefs, Miniaturen, Zeitschriften, Magazine, Fachzeitungen und Briefe viele dieser Kulturschätze der Welt werden gegenwärtig elektronisch erfasst, archiviert und ins Internet gestellt.
Die Informatik hilft dabei, die riesigen Speichermengen für die digital abfotografierten Medien in den Griff zu bekommen. Aber auch eine CD-ROM hat nur eine begrenzte Speicherkapazität. Wie sind diese riesigen Mengen an digitalen Informationen zu bewältigen? Es geht aber nicht nur darum, neueste Techniken für die entstehenden Engpässe im Informationsmanagement zu entwickeln, sondern auch darüber nachzudenken, wie diese Techniken über längere Zeiträume hinweg nutzbar bleiben können. Dies führt zu einer allgemeinen, grundsätzlichen Aufgabe der Informatik: Wie kann im Informationszeitalter dafür gesorgt werden, dass Daten auch langfristig aufbewahrt werden können, wenn die Informationstechnologie immer kürzere Innovationszyklen erlebt?